26 Aug 2026 - Beobachten im Bayerwald

von Detlef (Laffy) Koschny und Roland Egger


Deep Sky, SoFi, und Schnuppen

50-cm-Dobson im Garten M13 mit Umgebung

In der Woche vom 10. zum 15. August hatten wir vor, mal wieder ein altes Beobachterteam zusammen zu bringen - den Hausi (Franz Hauswirth), den Roland Egger I, und den Laffy. Leider war Franz dann doch verhindert, aber Roland mit Frau Dagmar kamen zu Laffy und Gabi in den Bayerischen Wald. Wir freuten uns auf eine Woche Wandern, Ratschen, und vor allem: Beobachten unter richtig dunklem Himmel! Wir wurden nicht enttäuscht, das Wetter war fantastisch und wir haben von allem etwas mitgenommen.

Seit ca. einem Jahr hat Laffy dort einen 50 cm f/4.2 Dobson Teleskop der Firma Taurus. Der steht in der Garage, das Auto muss in der Werkstatt übernachten. Er hat zwei praktische Rollgriffe, wie eine Schubkarre. Damit kann ihn locker eine Person nach draussen rollen. Noch die Leiter hinterher tragen, sowie den Okularkoffer. Schon ist man beobachtungsbereit. In der Woche kam auch eine langersehnte Lieferung - mehrere Okulare der Firma Houdini, die einen Coma-Korrektor eingebaut haben. Wie sich zeigte, funktioniert das sehr gut.

Wir haben einige Himmelsobjekte genauer unter "die Lupe" genommen. Parallel zu unseren visuellen Beobachtungen haben wir die Objekte auch von einem automatischen Seestar S30 fotografieren lassen. Der macht alles alleine, und nach 1 Stunde Belichtungszeit oder so sieht er mehr als was wir mit dem Auge durch den 50 cm Spiegel sehen konnten. Eine schöne Referenz. Während Roland und Laffy mit dem Dobson visuell beobachtet haben, sassen die Damen zumeist auf der Gartenbank und haben am Himmel nach Meteoren Ausschau gehalten.

Bei M13 (super-krass hell und aufgelöst bis ins Innere) sind zwei Galaxien: NGC 6207 ist mit 11.6 mag leicht zu sehen und zeigt einen Kern mit etwas Spiral-Andeutung aussen rum. Schwierig ist IC4617 - etwa auf halben Wege zwischen NGC 6207 und M13, aber nur 15.1 mag hell. Wir haben es beide erfolgreich geschafft, uns an der richtigen Stelle einen Nebelfleck einzubilden (Abb. 2 zeigt das Bild vom Seestar). Bei 600x (!) werden die Sterne zwar - wegen der Luftunruhe - nicht mehr ganz scharf. Aber der Kugelsternhaufen erweckt den Eindruck, als wenn ihn dunkle Bänder durchziehen. Überraschenderweise kann man auch bei der Vergrösserung noch von Hand nachführen. Wobei die Verweildauer im Okular schon sehr kurz ist - da wäre eine Tracking-Plattform angebracht.



Zeichnung des Cirrusnebels Cirrusnebel im Schwan

Eine Nacht haben wir uns den Cirrusnebel im Schwan im Detail angeschaut. Der ist recht gross, und mit dem O-III Filter (der lässt nur das Licht vom zweifach ionisierten Sauerstoff durch) sieht man da viele viele Strukturen. Ich habe aus dem Gedächtnis eine Zeichnung angefertigt, siehe Abb. 3. Aber die ist nur ein schwacher Abklatsch von was wir gesehen haben. Rechts (Abb. 4) ein Foto des westlicheren Teiles des Zirrusnebel, mit dem Seestar S30 gemacht. Ausser den Farben waren eigentlich alle Strukturen auch visuell zu sehen.



Stefan's Quintett Omeganebel

Eines von Laffy's Lieblingsobjekten ist Stephan's Quintett, im Pegasus. Da kommt man hin indem man erst die Galaxie NGC 7331 aufsucht. Die hat auch schon ein paar Nachbargalaxien (die aber wohl im Hintergrund sind und nicht zu NGC 7331 gehören). Von denen konnten wir vier identifizieren. Dann den Sprung zum Quintett. Da waren auch fünf Galaxien zu sehen, wobei eine eine Vordergrundgalaxie ist. Die tatsächlich fünfte haben wir nicht gesucht... Faszinierend ist, daß das Quintett fast 300 Mio Lichtjahre weg ist. Da bildete sich auf der Erde grade der Superkontinent Pangaea.

Auch den Omeganebel nahe dem Milchstrassenzentrum haben wir uns detailliert angeschaut, vor allem auch im O-III Filter. Ohne Filter sind mehr Sterne zu sehen, das Bild ist auch schon sehr beeindruckend. Wenn man dann über den UHC Filter (Ultra-High Contrast) zum O-III Filter wechselt, werden die Strukturen immer ausgeprägter. Abb.6 ist eine Zeichnung, die Laffy über eine halbe Stunde lang mit verschiedensten Vergrösserungen am Teleskop angefertigt hat.


Sonnenbeobachtung am Silberberg Sonnenuntergang am Silberberg

Am 12. August stand natürlich die partielle Sonnenfinsternis auf dem Programm. Die Astronomische Vereinigung Mittlerer Bayerischer Wald - bei der Laffy und Gabi auch Mitglied sind - hatte zusammen mit dem Naturpark Bayerischer Wald eine Veranstaltung bei Bodenmais organisiert. Dort gibt es am Silberberg ein Besucherbergwerk. Direkt daneben ist ein einfaches Restaurant, und es gibt eine Cocktailbar. Jeden Mittwoch ist dort "Sonnenuntergangsparty". Da geht man auf den Berg, trinkt einen Cocktail, und klatscht wenn die Sonne untergeht. Das war perfektes Timing... der Verein hatte ein paar Weisslicht-Teleskope aufgebaut. Wir hatten relativ kurzfristig beschlossen, auch dazu zu stossen. Laffy nahm sein 13 cm Lunt H-Alpha Teleskop mit. Mit dem kann man Protuberanzen am Sonnenrand sehen, sowie Filamente und aktive Gebiete auf der Sonnenscheibe selber. Das ist recht spektakulär und war eine gute Ergänzung zu den anderen Teleskopen. Laffy hatte viel Spass, den Leuten zum bequemen Beobachten zu verhelfen. Das Teleskop hatte einen Binokularansatz und Laffy's geliebter Beobachterstuhl war mit dabei. Die beiden mussten für jede Person individuell eingestellt werden. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Koschny'sche Kontrast-Verstärker. Ein von Laffy (mit Gabi's Hilfe) selbst genähter Hut, der über einen schwarzen Filz sicher stellt, daß kein Streulicht ins Auge kommt (Abb. 7).

Da waren dann auch die früheren Mitbeobachter Gisela und Wilfried Renovanz dabei. Die wohnen ja in Passau, und wir hatten uns dort verabredet. Nach der Heimfahrt setzten wir vier uns in den Garten und warteten auf Perseiden. Laffy hat in ca. 2.5 Stunden etwa 60 Meteore verzeichnet, alle zusammen sahen wir ca 80 bis 100. Da waren ein paar schöne dabei.



Schweinshaxn

Der Dobson zeigte noch weitere schöne Ansichten - z.B. Spiralstrukturen in der Galaxie M51, den Zentralstern vom Hantelnebel, und anderes. Aussdem gabs ein Grillfest mit Renovanz', sowie eine Schweinshaxn (Abb. 9). Wir haben schöne Wanderungen gemacht, und einfach nur die Ruhe in der Natur des Bayerwaldes genossen. Nächstes Jahr ist unsere erste Perseidenbeobachtung genau 50 Jahre her. Da hoffen wir, daß wir so eine Woche wiederholen können.